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Ch. Links Verlag, 2014

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Ch. Links Verlag, 2016

mythos-fremdenlegion

Ghostwriting für „Mythos Fremdenlegion“

ECON 2015

Martin Specht begann seine Karriere als Journalist 1989 mit Berichten über den Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Ost- Europa. 1991 reiste er erstmals in den Irak. Zwischen 1991 und 2004 folgten zahlreiche Reisen auf den Balkan und nach Afrika, unter anderem in den Kongo, um über die Bürgerkriege auf beiden Kontinenten zu berichten. 2005 dokumentierte Martin Specht im Auftrag der Vereinten Nationen die Hungersnot in Niger sowie das Erdbeben in Pakistan. Seit 2007 verbrachte er jedes Jahr mehrere Monate im Irak und in Afghanistan und berichtete vom dortigen Kriegsgeschehen in Wort und Bild. Martin Spechts Reportagen werden international publiziert. 2008 war er für den Prix Bayeux-Calvados, den internationalen Preis der Kriegsberichterstatter, und 2009 für den Henri-Nannen-Preis nominiert. 2011 stand er dort ebenfalls auf der Shortlist. 2014 wurde er von der Marine Corps Heritage Foundation mit dem Sergeant Major Dan Daly Award ausgezeichnet.

Irak, Dezember 2016. Foto: Andy Spyra

Auf der Insel Providencia vor der Küste Nicaraguas, 2017.

Rezension von „Narco Wars“ auf culturmag.de:

Informationen in hoher Dosis

(AM) Ein echtes Reporter-Buch. Von einem Könner seines Fachs. Martin Specht ist vor Ort gewesen, das merkt man immer wieder. Er folgt dem Weg der Drogen von Kolumbien in die USA, von Afghanistan in den Nahen Osten und nach Europa. Immer wieder zieht er die Verbindungen zu uns, macht klar, warum das Thema uns alle angeht und wie sich im „War on Terror“ Schrägstrich „War on Drugs“ rechtsstaatliche Strafverfolgung und geheimdienstliche Operationen längst miteinander mischen, wie Drogenkriminalität und Terrorismus mit einander verschränkt sind. Die bisherigen Strategien zur Bewältigung des Problems taugen wenig, das machen seine Nahaufnahmen klar.

Er hat auf beiden Seiten und auf mehreren Kontinenten recherchiert, hat einen Auftragsmörder getroffen, der in Honduras für ein kolumbianisches Drogenkartell tötet, hat Polizei und Militär in Mexiko und Afghanistan bei Einsätzen begleitet und beobachtet, hat mit US-amerikanischen Spezialkräften über ihre geheimen Operationen und mit „Mr. Kokain“ und „Mr. Heroin“ bei Europol über die Schmuggelwege nach Europa gesprochen, zeichnet Schmuggelwege durch die Karibik nach und zeigt auch, wie der Amphetaminmarkt mit dem syrischen Bürgerkrieg zusammenhängt.
Historische und politische Zusammenhänge sind immer in seinem Blick, ebenso die Geldströme des Drogenhandels. Auf verhältnismäßig wenigen Seiten findet man hier pralle, anschauliche Information und auch weitere Quellenhinweise. Ein verdienstvolles Buch. Hiermit empfohlen.

Martin Specht: Narco Wars. Der globale Drogenkrieg. Reportagen. Ch. Links Verlag, Berlin 2016. 216 Seiten, Broschur mit 19 Fotos und 3 Karten. September 2016.

 

Lehrveranstaltung an der Universidad de Antioquia in Medellín, Kolumbien. September 2016.

La Guajira. November 2016.

Friedensprozess in Kolumbien. Nach dem Referendum im Oktober 2016.

Amazonas, 2016.

Amazonas, 2016.

Rezension von „Narco Wars“ auf hanfjournal.de:

Buchtipp

Die WHO schätzt, dass 300 Millionen Menschen weltweit illegale Drogen konsumieren. Rund 300 Milliarden Euro Umsatz wird jährlich mit dem Drogenhandel gemacht. 90 Milliarden werden wiederum ausgegeben, um die Drogenkriminalität zu bekämpfen und den Handel einzudämmen. Soweit die Zahlen. Dahinter stehen Einzelschicksale und Tragödien. Während der „Krieg gegen Drogen“ in den Abnehmerländern meist das Leben einzelner zerstört, geißelt er in den Erzeuger und Transitstaaten ganze Regionen und Bevölkerungsschichten.

 

Der Journalist Martin Specht hat sich auf die Reise begeben, um an Orten, an denen der Drogenkrieg am heftigsten tobt mit einigen der Akteure zu sprechen. Er besucht eine Coca-Plantage und trifft in Honduras einen Auftragsmörder, der seinen Job „liebt“ und für ein kolumbianisches Drogenkartell Menschen umbringt. In Kolumbien spricht er mit den Hinterbliebenen Pablo Escobars und zeichnet den Aufstieg des ehemals so mächtigen Drogenbosses nach, der es bis in die Politik geschafft hat. Gleichzeitig begleitet er einen Menschenrechtsaktivisten in Mexiko und spricht in Den Haag mit den Europol Beamten „Mr. Kokain“ und „Mr. Heroin“. Schließlich offenbart sich ihm in Afghanistan die Vermischung des „Krieg gegen Drogen“ mit dem „Krieg gegen den Terrorismus“, welche sich ebenso in Syrien abzeichnet.

 

Specht wagt keinen Blick in die Zukunft, stellt jedoch globale Zusammenhänge her. Drogen wie Kokain und Heroin werden, wie auch Kaffee oder Kakao in Entwicklungsländern und Schwellenländern produziert und in die wohlhabenderen Industrienationen exportiert. Die Bezahlung der Bauern ist schlecht genau wie die Arbeitsbedingungen. Doch während bei Kaffee und Kakao durch Aufklärung und Programme für fairen Handel die Bedingungen teilweise verbessert werden konnten, ist man bei den illegalen Substanzen weit davon entfernt, Verbesserungen für die Produzenten zu erreichen.

Specht erzählt keine Geschichten. Seine Darstellungen sind viel mehr Momentaufnahmen der jeweiligen Begegnungen, die er mit historischen Fakten unterfüttert. Er verknüpft Hintergrundinformationen mit Lebensgeschichten und seinen persönlichen Eindrücken. Dabei zeichnet er ein Bild, das nicht vollständig ist, welches aber mehr als deutlich die Lebensrealität der Betroffenen veranschaulicht.

 

„Narco Wars – Der globale Drogenkrieg“ ist seit August 2016 über den Christoph Links Verlag als Buch und als E-Book erhältlich.

 

 

Bei den comandos especiales, Kolumbien 2016.

Mit Petrona Martínez und ihrer Tochter, Kolumbien 2017.

„WAR“ Meine Fotografien aus dem Irak und Afghanistan in den Jahren 2007 bis 2014.

 

Über mich und Narco Wars: Eine Rezension von Sabine Riedel

Von einem, der auszieht und über Geschichten stolpert

Martin Specht erzählt in seinem neuen Buch Narco Wars über den globalen Drogenkrieg / Sabine Riedel

Wer ich bin und was ich tue – ist für Sie ohne großes Interesse. Wenn ich Ihnen doch etwas von mir erzähle, dann geschieht dies nur, um den Bogen zu kriegen zu der Person, von der ich eigentlich erzählen möchte.

Ich bin seit vielen Jahren Journalistin, angefangen habe ich in der Lokalredaktion einer Frankfurter Tageszeitung. Jeden Morgen um zehn versammelte sich die Redaktion, um die Themen des Tages zu besprechen. Jeden Tag ein neues Thema, eine neue Geschichte. So funktioniert das Tageszeitungsgeschäft. Es überforderte mich. Und so geschah es nicht selten, dass ich in der Zehn Uhr –Konferenz saß, und wenn die Reihe an mir war, sagte ich mit leiser Stimme: Ich weiß nicht, worüber ich heute schreibe. Der Redaktionsleiter hob den Kopf, sah mich sichtlich irritiert an und sagte in seinem für die Nichthessin, die ich war, schwer erträglichen hessischen Zungenschlag: dann gehn Se mal uff de Gass.

Und so ging ich uff de Gass, und nach zwei Stunden kam ich zurück und wußte, worüber ich schreiben würde.

Im Journalismus gibt es ein geflügeltes Wort: Die Geschichten liegen auf der Straße. So ist es. Und manchmal muss man einfach nur seinen Mantel nehmen, die Schuhe schnüren und losgehen.

Einer, der das seit Jahren tut und den ich dafür grenzenlos bewundere, ist Martin Specht. Einfach losgehen – mir fiel das immer schwer. Ich dachte immer zu viel darüber nach, was alles schiefgehen könnte. Ich erinnere mich, wie ich vor ein paar Jahren mit Martin Specht nach Rotterdam fuhr. Diese Stadt hatte sich durch die Zuwanderung von Menschen aus muslimischen Ländern verändert. Sie stellen heute die Bevölkerungsmehrheit, und der Bürgermeister ist marrokanischen Urspungs. Das interessierte uns. Wir liefen durch Rotterdam und standen plötzlich vor einer Moschee von imposanten Ausmaßen. Ich wollte gerne hineingehen, und ich bin sicher, wäre ich allein gewesen, hätte ich es nicht gewagt, zu groß war meine Befürchtung, eine Grenze zu verletzen. Aber Martin sagte: Nun komm schon, lass uns mal reingehen. Und so lernten wir den Imam kennen, der uns zu einem Tee einlud und später saß ich zum ersten Mal in meinem Leben auf dem mit Teppich ausgelegten Boden einer Moschee und lauschte dem Freitagsgebet.

Manchmal muss man einfach nur losgehen.

Martin Specht tut das seit vielen Jahren. Er begann als Fotograf und dokumentierte den ersten Irakkrieg Anfang der 90er Jahre. Er folgte den Amerikanern in die „Schurkenstaaten“ und beobachtete ihren Kampf gegen das Böse. Immer wieder Irak, immer wieder Afghanistan, und ich fragte ihn: wie hältst du das aus? Diese Hitze, dieses stundenlange Marschieren durch die Wüste mit 40 Kilo Marschgepäck. Wie gesagt, meine Bewunderung war grenzenlos.

Und weil Bilder vielleicht nicht die ganze Geschichte erzählen, begann er irgendwann zu schreiben. Sein erstes Buch erzählte die Geschichten von Männern, die ihre bürgerliche Existenz hinter sich ließen und in der Fremdenlegion für die Interessen eines fremden Staates kämpften. (Auch so ein Typus Mann, der sich einfach auf den Weg macht.)

Martin Spechts neues Buch führt auf die Spuren des globalen Drogenkriegs. Wir folgen ihm nach Lateinamerika, kein Land bleibt hier von der Drogenproblematik verschont. Neben den Drogenpflanzen produzierenden Ländern wie Kolumbien, Bolivien und Peru spielen auch Durchgangsländer wie Argentinien, Brasilien, Mexiko, Venezuela und Chile eine bedeutende Rolle. Die Bedingungen zur Etablierung von Drogenkulturen sind ideal: strukturelle Probleme, fehlende staatliche Institutionen, Armut, interne politische Konflikte, günstige Klimabedingungen und eine hohe Nachfrage auf dem Weltmarkt.

Der illegale Drogenhandel fordert Demokratie und Rechtsstaatlichkeit heraus. Wenn ein Staat seine drei laut Völkerrecht definierten Komponenten – Staatsgebiet, Staatsvolk, Staatsgewalt – verliert, spricht man von einem failed state, einem gescheiterten Staat. Oft treten an dessen Stelle parallelstaatliche Strukturen: warlords in Afrika, islamistische Terrororganisationen im Nahen Osten, mafia-ähnliche Drogenkartelle in Mittelamerika. Ein Beispiel ist Mexiko, wo mächtige Drogenkartelle das Gewaltmonopol herausfordern und dabei sind, den Staat von innen zu zersetzen. Wir sind in einem asymmetrischen Krieg: Drogenkartelle, von Sinaloa bis Juarez, im Krieg gegen Soldaten und Polizisten. 100. 000, vielleicht auch 250.000 Menschen fielen diesem Krieg in den letzten Jahren zum Opfer, man zählte 400 Entführungen am Tag, 500 Enthauptungen pro Jahr, mehr als 100.000 Menschen werden vermißt. Wir sind mit Martin Specht in der Stadt Ciudad Juarez, wir bekommen eine Ahnung von dem alltäglichen Irrsinn, der diese Stadt regiert: dem Terror der Drogenbanden, der Rechtlosigkeit, dem Machismo, der Frauen zu rechtlosen Objekten erklärt, von Journalisten, die verschwinden, und wir sehen, wie lächerlich es ist, wenn die Staatsanwaltschaft zum Beweis ihrer Effizienz den versammelten Lokaljournalisten einen frisch verhafteten Verdächtigen vorführt.

Wir sind in Kolumbien, wo auch heute noch der einst mächtigste Drogenbaron Pablo Escobar von der armen Bevölkerung als Wohltäter verehrt wird. Wir stehen am Rand einer Koka-Plantage und hören zu, was ein einfacher Koka-Bauer Martin Specht und uns erzählt. Für seine Kokablätter bezahlen seine Abnehmer 50 Cent bis einen Euro 20 für ein Gramm, der Konsument in den USA oder Europa zahlt für ein Gramm Kokain 50 bis 200 Euro. Das ist der Unterschied zwischen einem kolumbianischen Kleinbauern und einem Europäer aus dem gutsituierten Bürgertum: Für den einen ist die Kokapflanze von existentieller Bedeutung, für den anderen das Kokain die Würze seines hedonistischen Lebensstils.

Wie fand er diesen Kokabauer? Nun, er lief ihm einfach über den Weg.

Das nennt man Reporterglück. Es funktioniert meistens nach dem Prinzip jemand – kennt – jemanden – und – der – kennt – jemanden.

Und so begegnet Martin Specht in Honduras einem, der jemanden kennt, der einen Auftragskiller kennt. Wir sitzen ihm gegenüber, sehen, wie er mit seiner Pistole spielt, die er fast liebevoll Mama Juana nennt. Er tötet für Drogenkartelle und für jeden, der ihn angemessen bezahlt. Töten ist sein Droge, hat er keinen Auftrag, wird er nach drei Tagen nervös wie ein Junkie auf kaltem Entzug.

Wir sind in Honduras, wo Jugendbanden das staatliche Gewaltmonopol längst unterwandert haben. Sie haben ein grausames Aufnahmeritual: 13 Sekunden lang prügelt ein Dutzend Männer auf den Anwärter ein. Wer das übersteht, gehört dazu: zur Jugendbande Mara Salvatrucha. Sie ist eine der brutalsten Gangs der Welt, ihre Mitglieder stehlen, erpressen, vergewaltigen, morden, kontrollieren den Waffen-, Drogen- und Menschenhandel, herrschen über ganze Städte und nehmen von den Bewohnern Steuern ein. Drei Jahre währt die durchschnittliche Lebenserwartung eines Marero ab dem Einstieg in die Bande. Länger überlebt kaum einer die vida loca, das verrückte Leben zwischen Gruppensolidarität, Drogenrausch und Gewaltexzessen.

Wir sind in Afghanistan, das den Weltmarkt für Opiate dominiert. Die Opiumproduktion geht weitestgehend auf die Zeit der sowjetischen Besatzung zurück. Warlords produzierten gezielt Opium, um mit den Profiten Waffen zu kaufen. Die CIA tolerierte die Produktion der illegalen Substanzen mit dem Ziel, den Widerstand gegen die UdSSR zu fördern. Nach den Ereignissen des 11. Septembers 2001 begann im Oktober die US-amerikanische Offensive gegen die Taliban. Im November kollabierte die afghanische Wirtschaft, was viele Kleinbauern zum Anbau von Schlafmohn zurückführte, der unter der Herrschaft der Taliban als unislamisch verboten worden war. In den Folgejahren gab es Rekordernten für Schlafmohn. Der Kampf gegen die Drogenwirtschaft gestaltet sich schwierig. Es gibt zu viele korrupte Beamte, und auch die US-Amerikaner zeigen in ihrem erklärten war on drugs eine bemerkenswerte Doppelmoral. Wo immer es ihnen aus strategischen Gründen opportun erscheint, lassen sie die den Opiumhandel kontrollierenden Warlords gewähren.

All das können wir erfahren, ohne unsere wohltemperierte Komfortzone verlassen zu müssen. Wir können es erfahren, weil sich einer wie Martin Specht uff de Gass getraut hat.